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Weidel im ZDF: Als Sommer-Interview getarntes Propaganda-Verhör

Framing“ auf Kosten der Gebührenzahler

Von Boris Reitschuster auf reitschuster.de

„Ich hab einen Traum“, sagte einst Martin Luther King. An seine Worte musste ich denken, als ich mich durch das ZDF-Sommerinterview mit der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel kämpfte. Mein Traum ist, dass die öffentlich-rechtlichen Sender einmal auch nur zehn Prozent solcher Penetranz an den Tag legen, wenn sie Vertreter anderer Parteien interviewen. In Interviews mit diesen degradieren sie sich selbst regelmäßig zu Stichwortgebern und Bauchpinslern. Und nicht nur die Gebührensender: Das Interview des Spiegel-Journalisten Alexander Osang mit Angela Merkel im Juni war ein Lehrstück für künftige Journalisten-Generationen, wenn sie im Studium lernen sollen, wie man als vierte Macht nicht mit den Mächtigen umgeht.

Natürlich sind kritische Fragen nicht nur im Umgang mit der Regierung ein Muss – auch die Opposition darf und muss hart angegangen werden. Der Umgang von ZDF-Frau Shakuntala Banerjee mit Weidel hatte aber wenig mit Journalismus zu tun – es war ein Propaganda-Auftritt ganz im Sinne der klassischen Propaganda-Definition des Duden: „Systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher o. ä. Ideen und Meinungen mit dem Ziel, das allgemeine Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen.“ Banerjee erinnerte weniger an eine Journalistin als an eine arrogant-überhebliche Propaganda-Offizierin, die den Klassenfeind im Verhör vor laufender Kamera bloßstellen soll und der dazu kein Mittel zu tumb ist.

Ständig ins Wort gefallen

In einem Großteil des Interviews tat die mit Gebührengeldern zwangsfinanzierte Journalistin kaum etwas anderes, als nach Möglichkeit eine inhaltliche Auseinandersetzung zu vermeiden und stattdessen zu „framen“. „Distanzieren Sie sich von diesem? Distanzieren Sie sich von jenem?…“ – das war der rote Faden des als Gespräch getarnten Verhörs. Ständig fiel Banerjee der AfD-Chefin ins Wort. So entstand fast der Eindruck, die Interviewerin habe mehr geredet als die Interviewte.

Die Haltungs-Redakteure in den öffentlich-rechtlichen Sender sind sich offenbar nicht bewusst, dass sie damit genau das Gegenteil ihrer Absicht bezwecken – zumindest beim denkenden Teil der Zuschauer: Wenn man einen Interviewpartner derart niedermacht, bis hin zu Fragen nach seiner Sexualität, dann fällt das auf einen selbst zurück. Wenn auf Biegen und Brechen jede inhaltliche Diskussion vermieden wird und an deren Stelle ein Distanzierungs-Marathon tritt, stellt sich der denkende Zuschauer die Frage, woher die Angst vor der inhaltlichen Diskussion kommt.

Weidel als Statistin

Entsprechend fielen auch die Kommentare unter dem Interview auf Youtube aus – hier ein paar Beispiele:

  • Unprofessioneller geht es nicht. Wie wäre es mal mit aussprechen lassen?

     

  • GRAUENHAFT ! ! ! Das war ein Selbstgespräch
  • ZDF-Sommerinterview Es war da eher eine Plattform für das Statement der „Moderatorin“ zur und über die AFD. Frau Weidel wurde nur als Statistin und Empfänger des Statements eingeladen.
  • Bei einem Interview ist es wichtig, den Interviewpartner ausreden zu lassen. Einigen gelingt das besser, anderen gelingt das schlechter und Frau Banerjee gelingt das hier mal wieder gar nicht. Dabei gibt es im ÖRR auch Menschen, welche bessere Interviews führen können.
  • Die Sommerinterviews sind auch dieses Jahr wieder eine absolute Enttäuschung. Wen interessiert es ob Weidel lesbisch ist? Wen interessiert was der Klatsch und Tratsch in der Partei ist? Es ist mir auch schon bei den anderen Interviews aufgefallen, dass immer wieder nach einer Äußerung der Politiker gegenüber ihrer Parteikollegen erbohrt wird. Lasst das bitte in Zukunft, liebes ZDF. Es gibt so viele WICHTIGE interessante Themen. Wir sind in einer Krise, da ist keine Zeit für gossip. Warum wurde Harbeck nicht ins Interview geholt? Im Wirtschaftsministerium ist die Kacke am dampfen und Sie als ZDF wollen nur Skandale mit Randfiguren provozieren.
  • Ich weiß nicht, was lustiger war, dass dies ein „Interview“ genannt wurde oder die „Gewinner-Blicke“ der Interviewerin, die offensichtlich tatsächlich glaubt, dass sie gute Arbeit macht und jetzt AfD „enttarnt“ hat. Dabei sieht sie so eh… em… sagen wir mal unweise aus, dass ich fremdschämen gefühlt habe. Bei Frau Weidel merkt man, dass sie am Anfang tatsächlich dachte, dass es ein echtes Interview gibt, aber dann versteht, dass es eher eine Anklagerede werden sollte, wo sie keine einzige Frage beantworten darf. Wer von ZDF hat eigentlich gedacht, dass es eine gute Idee war, so eine Blamage öffentlich zu machen?
  • Interviewte kam kaum zu Wort
  • Ein wirklich enttäuschendes Interview. Mich hätte aufgrund der aktuellen politischen Situation Fr. Weidels Meinung zu Inflation und EZB, Gas-Notstand, AKW-Verlängerung bzw. Energiepolitik, Zukunft der Mobilität, Selbstbestimmungsgesetz sowie den ab Oktober geltenden Corona-Maßnahmen sehr interessiert. Denn das sind die Themen, welche die Bürger dieses Landes aktuell bewegen und umtreiben. Stattdessen ging es ständig um parteiinterne Konflikte und die Interviewte kam kaum zu Wort. Nach 20 Minuten Gespräch weiß ich nicht viel mehr als davor, das sollte eigentlich nicht sein. So führt kein kompetenter Journalist ein Interview. Leider scheint das aber beim ZDF mittlerweile Standard zu sein. Frau Banerjee empfehle ich an dieser Stelle, sich einmal die Interviews von Günter Gaus anzusehen. Jener beherrschte es perfekt, die richtige Mischung aus respektvollem Umgang und kritischer neutraler Distanz hinzubekommen.
  • Ich hab mir das 19 Minuten Interview angeguckt und kann vor lauter Unterbrechungen, seitens der Reporterin, nicht sagen was Frau Weidel gesagt hat oder zu sagen gehabt hätte. Was ist aus neutraler Berichterstattung geworden. Mir ist klar, dass die AfD immer ein kontroverses Thema ist. Jedoch ist mit so einer unprofessionellen Art keinem geholfen und grade für einen eigentlich qualitativ hochwertigen Sender, wie das ZDF, ist das echt ungenügend. Ich kann dem ZDF die Videos von MrWissen2go empfehlen, der es perfekt schafft bei solchen Themen neutral zu bleiben und trotzdem gut zu berichten.
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