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Oskar Lafontaine: Waffenstillstand jetzt!

Ein Artikel von Oskar Lafontaine
 

Der Einschlag einer ukrainischen Abwehrrakete in Polen hat noch einmal deutlich gemacht, wie notwendig es ist, einen sofortigen Waffenstillstand zu vereinbaren und Friedensverhandlungen aufzunehmen, um einen Weltkrieg zu verhindern. Die deutschen Medien, die sich an Kriegspropaganda überbieten, hetzten zu früh:
– Bild: „2 Tote. Putin feuert Raketen nach Polen“
– Welt: „Im Grenzgebiet: Zwei russische Raketen in Polen eingeschlagen“
– Stern: „Russische Raketen schlägt in Polen ein, zwei Menschen sterben“
– taz: „Russischer Raketenangriff auf Polen: Tote nach Explosion in Polen“

Erstaunlich ist, dass die USA, die ihre Kriege so oft mit Lügen begonnen haben, – vom Tonkin-„Zwischenfall“ im Vietnam-Krieg über die Brutkasten-Lüge im ersten Irak-Krieg bis zur Mär von den Massenvernichtungswaffen im Irak 2003 –, dieses Mal die Wahrheit sagten. Das spricht dafür, dass die Amerikaner den Krieg in der Ukraine nicht so weit eskalieren lassen wollen, dass er außer Kontrolle gerät. Dass der Oligarchen-Knecht und von den Pandora-Papers als Steuerhinterzieher entlarvte Selenskyj die NATO weiter in den Krieg verwickeln will bis hin zu einem Weltkrieg, ist seit langem bekannt. Kein Wunder, dass er hartnäckig behauptet: „Ich habe keinen Zweifel, dass es sich nicht um unsere Rakete handelt. Ich glaube, dass es eine russische Rakete war, basierend auf den Berichten unseres Militärs.“

Es ist unverantwortlich und skandalös, dass die Bundesregierung immer noch keinen Vorschlag für ein Friedensabkommen vorgelegt hat. Dabei wären, wie die letzten Monate gezeigt haben, auch jetzt noch die Minsker Vereinbarungen eine Grundlage, um zu einem für beide Seiten akzeptablen Friedensvertrag zu kommen. Wenn sich Scholz, wie schon oft geschehen, auf die Aussage zurückzieht, über das Schicksal der Ukraine und Friedensverhandlungen können nur der korrupte Selenskyj und seine Entourage bestimmen, dann ist das nur noch lächerlich. Über die Zukunft der Ukraine bestimmen Washington und Moskau. Es sei denn, die Europäer würden endlich begreifen, allen voran, Scholz und Macron, dass sie das Schicksal Europas nicht den USA überlassen dürfen.

Am Montag, den 21. November, erscheint mein Buch „Ami, it’s time to go! Plädoyer für die Selbstbehauptung Europas“, in dem ich die Vorgeschichte des Ukraine-Konflikts erzähle und begründe, warum die Europäer eine eigene Sicherheitsarchitektur brauchen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Eine aggressive Weltmacht wie die USA, die in zunehmendem Maße destabilisierende Waffen installiert, kann niemals ein Verteidigungsbündnis anführen.

Quelle: Oskar Lafontaine, 17.11.2022