John Ioannidis, Foto: PLOS Video Channel, CC BY 3.0

Neue Ioannidis-Studie: Covid war schon 2020 ungefährlicher als bisher angenommen

Schon lange vor „Omikron“ und der Impfkampagne war Covid weitaus weniger tödlich als bisher angenommen. Das errechnet eine neue Studie von John Ioannidis und seinem Team. Die Untersuchung ergibt eine Infektionssterblichkeitsrate von unter 0,1 Prozent bei unter 70-jährigen.

Von  Thomas Oysmüller auf tkp.at 

Vor der Impfkampagne lag die Infektionssterblichkeitsrate (IFR) noch niedriger als bisher angenommen. Das ergibt eine neue Studie unter der Leitung von John Ioannidis, dem meistzitierten Arzt der Welt. Er und sein Team schätzen, dass die IFR bei unter 70-jährigen in der Zeit vor der Impfung unter 0,1 Prozent lag. Damit also noch einmal erheblich niedriger als bisher angenommen.

Covid eine tödliche Gefahr?

Nach der Untersuchung von 31 Seroprävalenzstudien (Untersuchungen, bei denen ein  repräsentativer Teil der Bevölkerung auf Antikörper gegen ein Virus getestet wird) aus der Zeit vor der Impfkampagne muss die tödliche Gefahr von Covid-19 noch einmal relativiert werden. Bei Personen bis 19 Jahren lag die IFR bei 0,0003 Prozent, bei 20-29 Jahren ebenfalls, bei 30-39 Jahren 0,011%, bei 40-49 Jahren 0,035%, bei 50-59 Jahren 0,129% und bei 60-69 Jahren 0,501% betrug. Dies ergibt 0,035 % für die 0-59-Jährigen und 0,095 % für die 0-69-Jährigen.

Bild von Will Jones / The Daily Sceptic

Die Ergebnisse „deuten darauf hin, dass die IFR vor der Impfung in nicht-älteren Bevölkerungsgruppen viel niedriger ist als bisher angenommen.“ Auf globaler Ebene dürfte „die IFR damit bei bei 0,03 % bzw. 0,07 % für 0-59 bzw. 0-69 Jahre alte Menschen gelegen haben“.

Korrektur

Im März 2020 veröffentlichte er eine Schätzung des IFR, basierend auf den Daten der „Diamond Princess“, eines der ersten Kreuzfahrtschiffe, die unter Quarantäne gestellt worden waren. Damals schätzte er auf 0,15 Prozent IFR – TKP hatte darüber schon am 10.4.2020 berichtet. Im Dezember 2020 war Ioannidis federführend in einer Veröffentlichung eines WHO-Bulletins, das von Fachleuten begutachtet worden war. Dort berechnete er die IFR weltweit auf 0,23 Prozent. Später veröffentlichte er eine Studie im „European Journal of Clinical Investigation“, ebenfalls begutachtet, wo er die IFR wieder auf 0,15 Prozent hinunterstufte. Die neue Untersuchung schätzt die Gefährlichkeit von Covid noch niedriger ein. T

Christian Drosten und andere Regierungsexperten rund um die Welt sprachen zu Beginn der Lockdowns von einer IFR von mehr als 1 Prozent, vor dem ersten Corona-Winter rechnete er dann mit einer IFR von 0,8 Prozent. Auch wenn die Forscher der aktuellen Studie gewisse „Beschränkungen“ der Untersuchung anerkennen werden, dürfte das Ergebnis weit mehr der Realität entsprechen als Annahmen von Drosten und Co.

Es ist eine beträchtliche Korrektur nach unten, die sich aus der Studie ergibt. Die am häufigste zitierte Studie zur IFR von Covid schätzt, dass die IFR etwa bei 45-54 Jahren bei 0,23% und bei 55-64 Jahren bei 0,75% lag, wie Michael P. Senger in seinem Substack erwähnt.

Die Untersuchung von Ioannidis und seinem Team mit dem Titel „Age-stratified infection fatality rate of COVID-19 in the non-elderly informed from pre-vaccination national seroprevalence studies” ist noch nicht begutachtet.

Hier gefunden: https://tkp.at/2022/10/18/neue-ioannidis-studie-covid-war-schon-2020-ungefaehrlicher-als-bisher-angenommen/