Hausdurchsuchungen machen Angst – aber nicht jedem: Nina Maleika im Interview

Mit Nina Maleika hat sich die Hamburger Kriminalpolizei das falsche Opfer ausgesucht. Die Hausdurchsuchung in Abwesenheit während ihres Urlaubs führte nicht nur zu einer Welle der Solidarität mit der bekannten Künstlerin. Die Hausdurchsuchung hat auch die Löwin in ihr geweckt und sie geht entsprechend dagegen vor.

Von Andrea Drescher auf tpk.at

Anstatt sie einzuschüchtern und von weiterem Protest abzuhalten, wurde Nina Maleika sehr deutlich. Sie setzte ein Video ins Netz (siehe unten), das an Klarheit nichts zu wünschen übrig ließ und dementsprechend in den sozialen Medien viral ging. Da ich seit längeren über Facebook mit ihr in Kontakt bin, fragte ich sie um ein Interview, um mehr zu den Hintergründen zu erfahren.

Kannst Du Dich kurz vorstellen?

Ich bin Nina Maleika, stamme aus und lebe in Hamburg. Mein Papa ist Ägypter und ich war vor der Corona-Pandemie hauptberuflich Sängerin, Musikpädagogin, Moderatorin und Kultur -und Kreativ-Schaffende. Das bin ich jetzt immer noch, wenn auch anders.

Du hast auch mit Udo Lindenberg gearbeitet, ist das richtig?

Ja. Das war einer der kommerziellsten Peaks, einer von den bekanntesten Künstlern. Aber ich habe viel mit verschiedenen Künstlern arbeiten dürfen, das sind ganz verschiedene Projekte. Udo gehörte für ein oder zwei Jahre mit zu meinen Arbeitgebern und Kollegen.

Du hattest jetzt Besuch von der Kripo, Deine Wohnung wurde während Deiner Abwesenheit durchsucht, bist Du eine Terroristin?

Nein, eigentlich nicht. Es stellt sich hier natürlich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, die ist wohl ganz klar nicht mehr gegeben. Die Hamburger Kriminalpolizei hatte einen richterlichen Beschluss, der darauf basiert, dass ich am 22.12.2021 einen gefälschten Impfausweis vorgelegt haben soll. Das können sie mir natürlich nicht beweisen. Sie haben in der Wohnung auch keinen Impfausweis finden können, weil keiner da ist. Dafür gibt es jetzt eine Anklage. Ob man in Abwesenheit eines angeblichen Täters in dessen Wohnung eindringen darf, klärt mein Anwalt jetzt. Bei Frage nach der Verhältnismäßigkeit – bzw. in dem Fall Unverhältnismäßigkeit – sind wir uns aber ziemlich sicher. So etwas hat es in Deutschland vor Corona nicht gegeben, aber jetzt ist es leider der Status Quo unseres Rechtssystems. Das macht mich sehr, sehr nachdenklich und ich finde das äußerst bedenklich.

Ist es nicht unlogisch, dass Du einen gefälschten Impfausweis haben sollst und dann in Deiner Abwesenheit eine Hausdurchsuchung durchgeführt wird? So etwas muss man doch mitnehmen, damit er etwas nützen soll. Du warst in Italien, gerade beim Reisen würde er Dir nutzen.

Ich weiß nicht, wie „die“ denken. Ich glaube, es geht auch nicht darum, ob ich einen Impfausweis habe oder nicht. Haben sie einen Verdachtsmoment, überprüfen sie als erstes: Wer ist Nina Maleika? Google und YouTube verraten Einiges über mich. Das Problem ist, dass ich der Polizei in Deutschland schon bekannt bin. Ich war viel auf Demonstrationen, bin dort aufgefallen und wurde auch schon mal verhaftet.

Man kennt mich als Künstlerin, die von Anfang an ihren Mund laut aufgemacht hat. Ich glaube daher, das ist ein Einschüchterungsversuch, mehr nicht. Menschen wie ich, die irgendwie in der Öffentlichkeit stehen, unterliegen diesem Framing, dieser Cancel Culture ganz stark. Das Gleiche ist Paul Brandenburg vor kurzem passiert, da ging es aber um was anderes.

Ein Polizist in Berlin hat mich erst neulich auf dem Hauptbahnhof namentlich mit Nachnamen angesprochen und das war niemand, dem ich vorher jemals begegnet war. Auf meine Frage „Woher kennen Sie denn meinen Nachnamen?“ kam „Naja, Sie sind ja bekannt.“. Da merkte ich schon, ok, Menschen in der kritischen Corona-Maßnahmen-Bewegung sind dem System auf jeden Fall in Deutschland ein massiver Dorn im Auge.

Wenn selbst Menschen wie ich auffallen, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie viel Fokus auf uns gelegt wird. Ich habe ja noch nicht mal eine große Bekanntheit, ich bin weder Sarah Connor oder Udo Lindenberg, noch habe ich Reichweiten wie Bodo Schiffmann oder Ken Jebsen. Das sagt Einiges.

Du warst dann bei der Polizei. Hast du dort weitere Hintergründe erfahren?

Ich habe dort nur meinen Haustürschlüssel abgeholt, die sind ja mit einem Haustürschlüssel in meine Wohnung reingegangen.

Woher hatten sie den denn?

Das weiß ich nicht. Meine Vermutung ist, dass sie ihn direkt von der Hausverwaltung bekommen haben, d.h. die wurden wohl eingeweiht. Das sagt mir die Logik, aber das ist nur meine Vermutung, das kann ich noch nicht bestätigen. Auch das wird mein Anwalt prüfen. Ich habe den Schlüssel aber nicht bei der Kriminalpolizei geholt, die meine Wohnung durchsucht hat, sondern bekam ihn auf einer normalen Dienststelle. Von dem Vorfall selbst wussten die nichts. Sie hatten nur ein Aktenzeichen und die Information, dass man mir die Schlüssel aushändigen darf.

Wurde etwas aus Deiner Wohnung entfernt?

Nein. Sie haben nichts mitgenommen, auch mein Rechner ist noch da. Ich verstehe das alles nicht, es ergibt gar keinen Sinn für mich, aber es muss anwaltstechnisch dagegen vorgegangen werden. Ich weiß nicht, ob die nochmal kommen, ob ich dann beim nächsten Mal zu Hause bin. Das möchte ich natürlich vermeiden.

Du gehst also dagegen juristisch vor?

Ja, natürlich, ganz klar. Ich habe einen ganz phantastischen Anwalt, Ivan Künnemann, der vertritt mich auch in einer anderen Geschichte, und da fühle ich mich gut betreut. Die ersten Schritte wurden bereits eingeleitet, jetzt warten wir mal ab, was da raus kommt.

Wie waren die Reaktionen aus Deinem Umfeld?

Ich habe verschiedene Umfelder. Aus meinem engen Umfeld waren natürlich alle sehr geschockt und fassungslos. Aus meinem weiteren Umfeld – also Bekannte, Kollegen, Freunde und den vielen Online-Kontakten aus den sozialen Medien – kam auf mein Video 99% positive Rückmeldung. Alle waren sehr unterstützend. Ich komme seit drei Tagen kaum zum Schlafen, mein Telefon steht nicht mehr still, ich habe innerhalb von 16 Stunden 4.000 Follower mehr. Die Menschen schreiben wirklich aus ganz Europa, bieten Geld und Unterschlupfmöglichkeiten. Es rufen mich Richter und Anwälte an, das Video ging viral und ich kann mir vorstellen, dass das eventuell auch noch weitergeht.

Gab es nur positive Rückmeldungen?

Natürlich waren auch ein paar Trolle dabei mit Kommentaren wie „Möchtegern-Künstlerin, dreckiges Querdenken-Schwein“. Aber das gibt es immer. Und bei 99 gegen 1 wird ganz klar deutlich, wie viele kritische Menschen es in Deutschland gibt. Ich bin einfach gesegnet, gesegnet mit all der Unterstützung und mache mir keinerlei Sorgen, was das angeht.

Du hast in deinem Video von den Löwen gesprochen. Wen oder was meinst Du damit?

Ich meine alle Menschen, die sich der Wahrheits- und Friedensbewegung zugehörig fühlen und die das, was seit zweieinhalb Jahren mit dem deutschen Rechtssystem, dem deutschen Staat und der Bevölkerung passiert, kritisch hinterfragen. Ich meine alle Menschen, Künstler, Handwerker, Empfangschefs, Rentner, Anwälte, Ärzte, Sozialarbeiter, Hausfrauen – also wirklich alle. Ich meine diesen Querschnitt durch die deutsche Gesellschaft, den man auf Demos und Spaziergängen trifft. Das muss man einfach sagen.

Warum positionierst Du Dich so klar gegen die Corona-Maßnahmen?

Als es losging, war das eine ganz stark intuitive Entscheidung, das ist aus mir herausgebrochen. Ich habe relativ schnell gemerkt, dass hier etwas schief geht, dass es gar nicht so sehr um einen Virus oder wie man damit umgeht, ging. Ich sah, dass sich zwei Lager bildeten und sich jeder innerhalb von Tagen entscheiden musste, auf welcher Seite er steht. Ich kann Dir gar nicht sagen, woher das kam, aber es war sofort da. Ich saß 2020 in Thailand am Strand, der Lockdown wurde ausgerufen, die Flüge gestrichen und ich dachte sofort „Ok, jetzt geht es ab“ und „wusste“ sofort, dass das Virus nur ein Vorwand ist, um hier eine sehr massiv nachhaltige Veränderung herbeizurufen. Mir war klar, ich mache den Scheiß nicht mit, dagegen muss man sich positionieren.

Welche Ausmaße es annehmen würde, war mir damals natürlich noch nicht klar. Ich habe nur gespürt, dass es eine große Nummer ist, dass es lange gehen und unser gesellschaftliches Fundament komplett erschüttern wird.

Warst Du vorher politisch?

Ja, ich war sogar sehr politisch, ich war ein sogenannter links-grüner Mensch.

Ich bin immer noch links-grün, nur weil „die“ sich das Pickerl drauf gepickt haben, lasse ich mir das nicht nehmen!

Ja, genauso ist das. Ich war in der Friedensbewegung tätig, 80-90% meiner Freunde waren ausländischer Herkunft. Ich habe mich für die Flüchtlingshilfe und den Umweltschutz eingesetzt, habe sogar gedacht, Greta und Fridays for Future sind super, da sich endlich mal junge Leute engagieren. Ich hatte ein tolles Leben, tolle Freunde, war Künstlerin und kreativ. Dann wurden die ganzen Begrifflichkeiten mit einem anderen Narrativ, fast mit einer neuen Identität, besetzt. Plötzlich ist nichts mehr, wie es vorher mal war. Da musste ich erst mal stark schlucken.

Haben sich Deine Beziehungen zu den anderen Künstlern oder Agenturen verändert? Hast Du wegen Deiner politischen Haltung jetzt Probleme?

Ja, natürlich. Und das wahrscheinlich auch nachhaltig und langfristig, zumindest in einer gewissen Ecke. Manche Jobs kommen einfach nicht mehr. Ich weiß auch, dass man über mich redet, dass man mich zu Events nicht mehr einlädt. Selbst die, die mein Engagement gar nicht so negativ bewerten, haben Angst, sich mit mir abzugeben, sich mit mir zu zeigen, mich einzuladen oder zu buchen. Kontakt besteht, wenn, dann nur heimlich, das wollen viele von denen öffentlich nicht mehr machen. Die wenigsten haben die Eier, sich mit mir zu solidarisieren.

Das betrifft aber nur einen gewissen Zweig meiner künstlerischen Tätigkeit, also den Popularbereich, Mainstream, Fernsehen und große Veranstaltungen, auf denen ich früher mit meinen Bands aufgetreten bin. Aber es sind Jobs neu dazugekommen, von Menschen und Veranstaltern, die eher aus dem kritischen Spektrum kommen. Das ist mein neues Wirkungsfeld, mein neuer Arbeitgeber, das bezahlt meine Miete und finanziert mein Leben.

Warum sind die Löwen unter den Künstlern so rar? Was ist mit Udo Lindenberg und anderen?

Die Menschen sind ganz unterschiedlicher Natur. Es gibt einige, denen fehlt der Durchblick, die haben Angst vor dem Virus und glauben dem Narrativ. Sie glauben diese Geschichte, die man uns um Covid erzählt hat. Damit haben sie einen Grund zur Legitimierung ihres Verhaltens. Und dann gibt es natürlich die, die begreifen, was los ist. Die sagen ganz bewusst: „Ich möchte den Platz da oben nicht verlassen. Ich habe ein Unternehmen, eine Familie, zwei Häuser abzuzahlen, der Laden muss hier weiter laufen.“ Die können oder wollen es sich schlicht nicht leisten.

Keiner, egal ob er Künstler ist oder nicht, möchte auf der ‚Bäh‘-Seite stehen. Corona-kritisch zu sein, gerade in den Medien und bei Kultur-Schaffenden, das ist ‚Bäh‘. Da will man sich nicht die Finger verbrennen, das ist irgendwie unangenehm. Man weiß, dass man sich damit ausschließt. Wir haben diese tiefe Angst in uns, dass wir uns mit einem Fehltritt – sprich einer öffentlichen Meinungsäußerung – ausschließen. Das ist für viele mit Panik besetzt, das will man vermeiden und macht halt mit. Man trifft sich dann heimlich im Lockdown trotzdem mit seiner 20-köpfigen Familie. Aber das macht man ja nicht öffentlich, damit man als Künstler weiter tätig sein kann. Und wenn man erst mal Konflikte mit der Polizei hat, wird das ganz schwierig.

Du hast vorhin gesagt, Du wurdest schon mal während der Corona-Maßnahmen verhaftet. Wie war das für Dich?

Ja, das war bei einer Kinderdemo in Berlin im Mai 21. Mein Video darüber ging ebenfalls viral, das hat Markus Haintz damals geteilt. Bei der Maßnahme wurde ich körperlich hart angegriffen. Das Verfahren läuft immer noch, aber wir haben immer noch keine Akteneinsicht. Es ist natürlich unangenehm, so einen offenen Fall laufen zu haben. Aber das war nicht so eine große Nummer wie jetzt mit der Hausdurchsuchung.

Wie fühlst Du Dich nach der Hausdurchsuchung, die ja einen Übergriff in Deine Privatsphäre darstellt?

Ich fühle mich erstaunlich gut. Ich habe mich total schnell nach zwei, drei Stunden schon wieder gefangen. Das ist an mir abgeprallt, weil ich fast sofort realisiert habe, es geht hier nicht um mich oder die Anklage. Das ist ein ganz klarer Angriff, und zwar nicht gegen meine Person. Das ist ein Angriff gegen uns alle, das ist ein Angriff gegen den restdemokratischen Zustand in dem Land, das ist ein Angriff auf unser Rechtssystem. Der Rechtsstaat ist meiner Meinung nach mit diesen ganzen Vorfällen, die wir erleben durften, inzwischen ausgehebelt.

Ich persönlich fühle mich gut. Ich habe auch keine Angst in meiner Wohnung, im Gegenteil. Diese Aktion hat aus mir massive Kraft zu weiterem Widerstand und sehr viel Kampfesmut herausgeholt. Ich sage daher, „Leute, ihr habt euch mit der Richtigen, bzw. mit der Falschen angelegt. Ich kann das tragen und ich gehe dagegen vor. Ich habe keine Angst, ihr macht mich auch nicht mundtot.“

Von daher bin ich dankbar, dass es mir passiert ist, ich kann dagegen vorgehen, ich habe die Power, ich habe die Kontakte, und ich bin die Richtige, um das jetzt in Angriff zu nehmen.

PS. Ein persönlicher Nachtrag von Andrea Drescher:

Derartige Hausdurchsuchungen – aber auch Verhaftungen – sind in Deutschland nichts Ungewöhnliches. Ich kenne inzwischen über 20 Menschen – Ärzte, Juristen, Polizisten, Unternehmer, Künstler – persönlich, denen Ähnliches widerfahren ist. Noch ist es in Österreich nicht so weit. Wir leben in dieser Beziehung noch sehr friedlich, auch wenn Einzelne – speziell Ärzte und Wissenschaftler – bereits massive berufliche Probleme haben. Vor kurzem fragte mich ein mit mir ein befreundeter Journalist, ob ich Angst hätte, nach Deutschland zu fahren. Auch da gilt: Noch ist es nicht so weit. Noch bin ich viel zu unbekannt.

Es liegt an uns, derartige Zustände zu verhindern. Es braucht viele Löwen und Löwinnen.

Hier das Video das Nina Maleika auf Facebook gepostet hat:

 

Das Video wurde von Facebook zensiert